Hefen sind sporenbildende, sich durch Sprossung vermehrende, einzellige Pilze und gehören zu der Abteilung Schlauchpilze = Ascomycota. Unter Medizinischer Hefe versteht man die ausgewachsene, entbitterte, gärfähige Hefe aus bestimmten Stämmen von Saccharomyces cerevisiae oder Candida utilis, deren Ausgangskulturen in internationalen Stammsammlungen, wie z.B. der CBS in den Niederlanden, hinterlegt sind. Medizinisch verwendet wird ebenfalls der Stamm S. boulardii (= S. cerevisiae Hansen CBS 5926), eine lyophilisierte, gegen Antibiotika unempfindliche, vermehrungsfähige Hefe mit erhaltener Enzymaktivität.

Anwendung

Medizinische Hefen sind reich an Vitaminen der B-Gruppe und Mineralstoffen und enthalten Proteine mit einem hohen Gehalt an Lysin und Tryptophan, Kohlenhydrate (Glucane, Mannane, Trehalose) und Lipide (Ergosterol und Zymosterol) und stellen ein Produkt aus lebenden, nicht krankmachenden Mikroorganismen dar, die eine sog. probiotische Wirkung entfalten. Darunter versteht man eine insgesamt gesundheitsfördernd auf den Wirtsorganismus Wirkung, indem u.a. eine intakte Darmflora gefördert wird. Die als Nebenprodukt bei der Bierbrauerei anfallende Bierhefe muss entbittert werden, da die Zellen Bitterstoffe aus dem Hopfenextrakt anreichern.

Medizinische Hefe wird zu Appetitanregung und zur unterstützender Behandlung von Akne und Furunkeln empfohlen. In der Lebensmittelindustrie wird Bierhefe bzw. Bierhefeextrakte zur Herstellung von Backwaren, alkoholischen Getränken und als Geschmacksverbesserer eingesetzt. Bestimmte Hefestämme binden das Spurenelement Selen in organischen Verbindungen, die vor allem in Verbindung mit Vitamin E antioxidative Wirkungen entfalten und werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Für Präparate aus S. boulardii, taxonomisch richtig S. cerevisiae Hansen CBS 5926, konnte gezeigt werden, dass diese das Wachstum krankmachender Bakterien hemmen und die Durchfall verursachende Wirkung bestimmter, bakterieller Toxine verhindern können. Im Tierversuch konnte auch eine Stimulierung des Darm assoziierten Immunsystems nachgewiesen werden. Für diese Wirkungen und somit auch für die Qualität des einzelnen Präparates ausschlaggebend ist die Lebensfähigkeit der Hefezellen.

Hinweise

  • Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegenüber Hefe! Sehr selten sind allergische Reaktionen bekannt geworden.
  • Nicht anwenden bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren! Es liegen keine Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit vor.
  • Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden! Obwohl bisher keine Risiken bekannt wurden, sollten Hefepräparate wegen unzureichendem Erkenntnismaterial nicht angewandt werden.
  • Nicht anwenden bei Patienten mit stark eingeschränkter Immunabwehr oder die einen zentralvenösen Zugang besitzen! Da es sich bei den Präparaten um lebende Mikroorganismen handelt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese selbst Infektionen verursachen können. Vereinzelt sind solche Erkrankungen beobachtet worden. Eine eingeschränkte Immunabwehr besteht z.B. bei HIV-Erkrankungen, nach Organtransplantationen, Krebserkrankungen oder während langzeitiger, hochdosierter Cortisonbehandlung.
  • Während einer Durchfallerkrankung muss insbesondere bei Kindern auf die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten (orale Rehydration) als wichtigste Maßnahme geachtet werden!
  • Bei einer Verschlimmerung oder immer wiederkehrenden Beschwerden, fieberhaften oder mit Blutbeimengung im Stuhl einhergehenden Durchfällen oder bei Durchfällen die länger als zwei Tage andauern, sollte ein Arzt aufgesucht werden!
  • Als Nebenwirkungen können Blähungen auftreten. In Einzelfällen können durch die Behandlung migräneartige Kopfschmerzen ausgelöst werden.

Wechselwirkungen: Die gleichzeitige Einnahme von Monoaminoxidasehemmstoffen, z.B. bestimmte Antidepressiva, kann zur Erhöhung des Blutdrucks führen. Während einer Behandlung durchgeführte mikrobiologische Stuhluntersuchungen können falsche Ergebnisse liefern. Hefezellen können noch bis zu einer Woche nach Beendigung der Einnahme im Stuhl nachgewiesen werden.